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Glückskekse und Nachbarn

Wann immer ich einen Glückskeks vor die Nase bekomme, freue ich mich, ihn zu sehen. In der festen Erwartung, dass er mir nur Gutes vorhersagen wird, zerbreche ich den Keks und fische den kleinen Zettel heraus, um zu erfahren, welcher Art das Gute ist, dass mich erwartet.

Und dann wünsche ich mir kauend, dass die Welt ein bisschen mehr Glückskeks-Charakter hätte. Neben Mr. Nashs Theorie, dass Individualität und Gemeinschaft gleichwertig bewertet werden sollten, glaube ich auch an eine Glückskekswelt durch Vertrauensvorschuss, vor allem für die eigene Spezies. Eine Kombi beider Verhaltensweisen schiesst mich gedanklich nach Utopia. Die Rechnung ist nämlich ganz einfach.

Wenn jeder das Beste für sich und seine Nachbarn zur Linken und Rechten tut, ohne den Nachbarn dabei in ihrer Urteilskraft  oder Rechtschaffenheit zu misstrauen, herrscht im Dorfklima eitel Sonnenschein. Es gibt Grillpartys, man hilft sich untereinander und lächelt fröhlich in den Tag .

Beginne ich dem Nachbarn zu misstrauen, seine Gärtnerkünste zu verurteilen oder eine dicke, hässliche Mauer auf der Grundstücksgrenze zu bauen, ziehen die Gewitterwolken auf und es gibt ein ordentliches Donnerwetter. Die Nachbarn werden schweigsam, die Kinder fühlen sich eingeengt und die leckeren Äpfel von nebenan gibt es auch nicht mehr. Man geht sich aus dem Weg oder schaut sich böse an und wird irgendwann ganz krank und einsam und verbittert.

Wer das Dorfbeispiel nicht mag, dem gefällt vielleicht eine Liebespaarvariante besser. Nach den ersten drei Monaten hormongeschwängerter Verliebtheit geht es auf jedenfalls ins Happy End, wenn das Pärchen eine gute Balance aus Eigenständigkeit und gemeinsamen Plänen hinbekommt. Happy, happy,joy, joy und man kann gar nicht anders als darauf vertrauen, dass alles wunderbar wird. Bereichert Nachwuchs das kleine Glück, wird eben für Drei oder sogar mehr gedacht. Wie auch immer: die Harmonie stirbt, wenn das Misstrauen seine Krallen ausfährt. Der Eine beäugt den Andern, Fragen werden gestellt, Vorwürfe gemacht, Telefone heimlich kontrolliert, Taschen durchwühlt und ob nun berechtigt oder nicht … mit der Kontrollwut ist das Glück dahin. Ob nun im kleinen familiären oder im großen staatstragenden Rahmen, das Muster bleibt irgendwie immer das gleiche. Gegenseitig Vertrauen zu investieren, macht uns glücklicher. Das Vertrauen zu erhalten übrigens auch. Selbst bei 10% Bruch hat man noch 90% Zufriedenheitsgewinn.

Das mag vielleicht naiv klingen, geradezu milchmädchenhaft, aber jetzt kommt der eigentliche Clou. Vertrauen ist eine kostenfreie, unbegrenzte Ressource. Selbst für kühle Rechner ist Spyware oder ein Mauerbau in jedem Fall teurer. Darum schnell noch einen Glückskeks und ab ins Abenteuer Vertrauen!

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